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2005_Holz- und Steinhaus Tasser - Ahrntal
Wie urkundlich belegt, haben die Besitzer des Söllhauses* „Egge“ im Jahr 1808 von einem Bauern ein Feld erworben, kurz danach dürfte ein kleines Futterhaus errichtet worden sein. Ein massiver Steinsockel von knapp zehn auf acht Meter diente als Stall, darüber die Tenne fürs Heu mit gemauerten Eckpfeilern und Holzausfachungen. Ein flach geneigtes, schindelgedecktes Satteldach bildete den Abschluß. Mit seinen geringen Ausmaßen, auf einem winzigen Grundstück und unmittelbar an der Talstraße gelegen, ist der frühere Zweckbau sicher keine ideale Immobilie für ein Ferienhaus. Die Besitzer, denen ein außergewöhnliches Verständnis für das Tal und seine Geschichte nachgesagt werden kann, wollten jedoch an dem alten Gemäuer festhalten. Die Bruchsteinmauern wurden saniert, offene Fugen mit Kalkmörtel gestopft. Auch die Holzteile konnten zum Großteil wieder verwendet werden. Der Dachstuhl wurde erneuert und mit Kupferblech gedeckt, das mit der Zeit die grau-braune Patina von Holz annehmen wird. Hinzugefügte Teile, oder solche die ersetztet werden mußten, sind aus angerostetem Stahl. „Auf der Tenne“ wurde der Wohnraum wie eine Holzkassette in den Baukörper eingefügt. An der Südseite öffnet sich der Wohnraum auf die Terrasse. Ein Schirm aus Lärchenlamellen schützt vor der Straße und wird, wenn das Haus nicht bewohnt ist, vor die Fenster gezogen. Ein gemauerter Ofen verbindet Wohnraum und Sockelgeschoss, wo sich die Küche, das Bad und ein kleines Arbeitszimmer befinden. Dunkel schimmernde Schieferplatten auf dem Boden erinnern an feuchtes Erdreich. Stadel und Ferienhaus, rauhe Außenhaut und wohnliches Futter, bilden beim Haus Tasser eine symbiotische Einheit. Die neue Nutzung ermöglicht das Überleben des Stadels und die Erhaltung eines wichtigen städtebaulichen Bezugspunktes an der Talstraße.
Foto: Günther R. Wett